Die Nuancen sind es, was unseren Kontakt reich macht

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Kontakt ist wahrnehmen mit allen Sinnen

Das soziale Miteinander ist eine der größten Herausforderungen in unserem Leben. Wir brauchen Kontakt, so viel ist klar. Wir brauchen Halt. Wir brauchen Vertrauen und wir brauchen auch mal Hilfe oder Unterstützung der Anderen. Wir sind eben von Natur aus soziale Wesen und könnten ohne einander nicht überleben.

Kontakt findet an der Grenze statt​

Doch im zwischenmenschlichen Kontakt haben viele Menschen ihre Probleme. Wir haben uns so in das Denken verkrochen, dass wir das Fühlen schon fast verlernt haben. Die Gefühle überraschen uns zwar immer wieder mal, manchmal auch dann, wenn wir sie gar nicht gebrauchen können. Doch meistens nutzen wir unser Fühlen nicht bewusst, wenn wir mit anderen in Kontakt gehen. Wir hören was unser Gegenüber sagt und haben dazu vielleicht auch gleich die passende Antwort. Doch sind wir meistens so mit uns beschäftigt, dass wir die feinen Nuancen, auf die es ankommt, gar nicht mehr wahrnehmen.

Kommunikationsprobleme entstehen durch geringe Wahrnehmungsfähigkeit

Genau hier entstehen unsere täglichen Kommunikationsprobleme. Es fällt uns einfach schwer die Balance zu halten. Für einen anderen Mensch da zu sein, kann sich schnell in überzogene Fürsorge verwandeln. In dieser Fürsorge merken wir vielleicht gar nicht mehr, dass wir unser Gegenüber damit fast erdrücken. Aus angenehmer Nähe kann auch mal schnell ein Klammern werden, welches dem Anderen fast die Luft abschnürt. In unserer reizüberfluteten Welt haben wir die Sensibilität für einander verloren und merken so manches mal nicht, dass wir zu weit gegangen sind. Das machen die wenigsten von uns mit Absicht, wir haben es einfach verlernt.

Wenn wir Glück haben geraten wir an Menschen, die gut für sich sorgen können und ihre Grenzen kommunizieren. Doch in vielen Fällen läuft es leider so, dass diese Grenzen nicht gesetzt werden. Zu stark ist für mache der soziale Anpassungsdruck und die Angst abgelehnt zu werden.

Doch mit sich im guten Kontakt zu sein, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und sie kommunizieren zu können ist Voraussetzung für gesunden Kontakt. Sonst  kann es schonmal passieren, dass uns vermeintlich jemand etwas gutes tun will und wir nicht in der Lage sind unsere Grenzen zu kommunizieren. 

Geringe Achtsamkeit im Kontakt sowohl nach "Innen" als auch nach "Außen" wird eines Tages die daraus resultierenden Konsequenzen ans Licht bringen ( z.B. plötzliche Kontaktabbrüche). Dann sind wir überrascht und verstehen nicht, wie so etwas passieren konnte. Wir hätten es fühlen können und zwar schon lange vorher. Denn nichts im Leben passiert einfach so, es passiert alles aus einem bestimmten Grund, ob wir uns das eingestehen wollen oder nicht.

Ich möchte euch ein Gedicht von Jorge Bucay vorstellen, welches die Balance deutlich macht, auf die es im Kontakt ankommt. Ich habe es allerdings ein wenig verändert und es in der aktiven Rolle geschrieben, weil ich denke, dass diese Achtsamkeit bei uns persönlich anfängt und sich dann nach außen überträgt. Das Original ist aus einer Erwartungsperspektive gegenüber unserer Umwelt geschrieben. Doch wie kann ich etwas erwarten, was ich selbst nicht anwende?

Ich will

Ich will, dir zuhören,

ohne über dich zu urteilen.

Ich will dir meine Meinung sagen,

ohne dir Ratschläge zu erteilen.

Ich will dir vertrauen,

ohne etwas zu erwarten.

Ich will dir helfen,

ohne für dich zu entscheiden.

Ich will für dich sorgen,

ohne dich zu erdrücken.

Ich will dich sehen,

ohne ,mich in dir zu sehen.

Ich will dich umarmen,

ohne dir den Atem zu rauben.

Ich will dir Mut machen,

ohne dich zu bedrängen.

Ich will dich halten

ohne dich festzuhalten.

Ich will dich beschützen,

aufrichtig.

Ich will mich dir nähern,

doch nicht als Eindringling

Ich will, daß du all das kennst,

was mir an mir mißfällt,

Daß ich es akzeptiere,

Und es nicht zu ändern versuche

Ich will, daß du weißt…..

daß du heute auf mich zählen kannst…

Bedingungslos.

Jorge Bucay/ verändert

Es geht im Leben nicht darum, das „Gute“ oder das „Schlechte“ zu tun. Das Leben ist nicht nur „Schwarz“ und „Weiß“. Es gibt eben viele Facetten von Grautönen dazwischen.

Alle diese Zwischentöne sind im Kontakt wahrzunehmen. Jede kleinste Unsicherheit verpackt in einem Lächeln können wir rausfiltern. Jede kleine Grenzüberschreitung in unserem Inneren können wir wahrnehmen und für sie sorgen ohne jemand anderen dafür verantwortlich zu machen. Es liegt ganz allein bei dir, wie trainiert du darin bist und wieviel Glauben du noch den Wörtern an sich schenkst. Ein Wort ist erstmal nur ein Wort. Doch wie wird es gesagt, welche Tonlage umhüllt es, welche Emotionen stecken drin, welche Mimik und Körpersprache hat unser Gegenüber, wenn er es ausspricht? Ist alles im Einklang oder nimmst du Wiedersprüche wahr? Hier ist viel mehr Information enthalten, die du für dich nutzen kannst.

Du kannst es jeden Tag trainieren und es wird sich wie ein Muskel in dir entwickeln. Dann werden dich einerseits weniger Überraschungen in deinem Leben einholen und andererseits wirst du dich im Kontakt immer mehr finden, so wie du alleine nie dazu in der Lage wärst.

Sei anders!

Marcus

2 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Sehr wichtige Denkansätze, die wir alle in unser Leben integrieren sollten.

    Mehr fühlen, nicht immer nur denken.

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