Die Sprache der Sucht. Wie ihr eine ganze Gesellschaft erlegen ist.

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Sucht eines Systems

Sucht ist hoch negativ besetzt, dabei kenne ich keinen Menschen, der nicht in irgendeiner Form süchtig ist.

Du vielleicht?

Denn ich rede hier nicht nur von Substanzabhängigkeiten. Ich rede hier vom jeglichen Verlangen nach etwas, was wir einfach mal so eben nicht lassen können.

Vielleicht wird gerade deshalb "Sucht" so negativ bewertet. Denn wer steht sich schon gern ein, dass er süchtig ist? Das schieben wir doch lieber den anderen zu, oder?

Das Wort Sucht, althochdeutsch suht, bedeutet volksetymologisch etwas zu suchen oder zu verlangen. Weiterhin ist es die altdeutsche Bezeichnung von Krankheit, wie beispielsweise Gelbsucht, Fallsucht oder Eifersucht.

Nur was suchen wir eigentlich?

Wir alle suchen nach Liebe und wenn es die nicht gibt, dann wenigstens ein wenig Anerkennung. Doch meistens wird uns beides im Leben verneint.

Es sei denn, wir tun etwas, verändern was oder verbiegen uns. Immer ein bisschen mehr, sodass wir es kaum bemerken. Alles nur, für ein bisschen Liebe und Anerkennung. Denn so wie wir sind, reicht es wohl leider nicht!?

So leben wir heute als Europäer und Amerikaner in einem süchtigen System. Die Psychologin Anne Wilson Scheaf fand heraus, dass die Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft abhängig ist von einer bestimmten Weise zu denken, zu fühlen und zu handeln. Diese Abhängigkeit funktioniert ebenso, wie die von Alkohol, Nikotin oder anderen Drogen, die ihre Opfer fast unmerklich, jedoch mit tödlicher Sicherheit verführen. Wir Menschen glauben, wir seien Herr unserer sozialen Realität, die wir definieren. Doch in Wirklichkeit sind wir in ihr eingesperrt.

Wir sind süchtig nach der perfekten Welt, perfekter Schönheit, perfekten Partnerschaften, perfekten Familien, perfekten Berufen, perfekter Kleidung, perfekter Gesundheit und nicht zu vergessen: Die perfekte Optimierung. Wir sind so süchtig danach, dass wir nicht einmal merken was wir selbst wollen.

Denn von einer ganzen Heerschar von Menschen, wird uns täglich erfolgreich klargemacht, wie wichtig konsumieren ist und was uns alles fehlt und was schon länger nicht mehr 'up to date' ist. Interessanterweise haben die gleichen Menschen das entsprechende Gegenmittel: Change - Management, welches uns suggerieren soll, dass wir zwar ganz gut sind, aber eben noch viel besser sein könnten.

Wer in diesem System verhaftet ist, bleibt in seinem Denken und in seiner Wahrnehmung äußerst beschränkt. Es gibt nur alles oder nichts. Wer nicht für mich ist, muss gegen mich sein. Einheit oder Ganzheit sind da kaum zu erwarten. Wir sind Abhängig von unsrem System und was es uns suggeriert und gleichzeitig macht es uns für alles blind was außerhalb von ihm liegt.

Wir halten uns sogar für moralisch, obwohl wir Dinge tun, die uns und andere zerstören. Wir sehen unser eigenes denken als logisch und stimmig an, auch wenn es völlig unzusammenhängend ist. Wir kommen uns sogar vernünftig vor, auch wenn wir total irrational sind.

Weiterhin leben wir in einer Gesellschaft, die süchtig nach dem „Anders - Sein“ oder dem „Anders - Werden“ ist. Süchtig nach dem, was wir nicht haben oder noch nicht sind. Folgt man diesem gesellschaftlichen Strom der Abhängigkeit nach Verbesserung nicht, wird man ausgegrenzt.

Denn Ausgrenzung ist einer der typischsten Verhaltensweisen von Süchtigen einer Suchtgruppe:

Der Sportsüchtige schimpft über die Alkoholiker, der Alkoholiker schimpft über die Kiffer, der Kiffer schimpft über die Alkoholiker, Beide schimpfen vielleicht über die Arbeitssüchtigen, die sich Woche für Woche 70- 100 Stunden um die Ohren hauen, um vielleicht von ihrem Vorgesetzten oder Kunden ein bisschen Anerkennung zu erfahren und alle zusammen schimpfen sie über die Heroinkranken, die wiederum schimpfen auf die ganze Welt. Denn sie sind oft das letzte Glied der Kette unserer eigenen unbewussten Suchtprojektion.

Das ist die traurige Realität unserer Gesellschaft . Ein süchtige Gesellschaft, die nach liebe schreit und im Konsum und in der Verbesserung ihres Selbst den Ausweg sucht. Ihn nur leider dort nie finden wird.

Denn Sucht ist zwar ein sehr menschliches Phänomen, welches uns hilft mit der fehlenden Liebe und Anerkennung zurechtzukommen, uns jedoch nicht aus dem Dilemma befreit. Sie hält uns in ihren jeweiligen Strukturen fest, um uns vorzugaukeln, dass alles schon irgendwie OK ist und wir alles bestens im Griff haben. Nur die Anderen haben sich in der Sucht verloren, "ICH" könnte jederzeit aufhören, wenn ich denn wollte!

Nach was der Mensch süchtig ist, ist natürlich individuell unterschiedlich. Doch nach was er sucht oder was ihm fehlt, ist bei jedem in der Tiefe gleich.

Wir sollten viel mehr Toleranz auf dem Gebiet füreinander entwickeln und nicht unsere eigenen Süchte über die der Anderen stellen. Als ob es A, B oder C Süchte gibt. Auch wenn manches Suchtverhalten nicht gerade schön anzuschauen ist.

Doch es ist und bleibt ein Schrei nach Liebe.


Sei Anders!


Marcus

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