Du willst dein Leben neu ausrichten? 4 Gründe warum dein nächster Urlaub eine Fernwanderung sein sollte!

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Fernwanderung. Eine Reise zu dir selbst!

Eine Fernwanderung hilft dir Entscheidungen zu treffen.

Jeder von uns steckt in seinem Leben mal fest und weiß nicht wie es weiter gehen soll. Es erscheint einem dann alles vollkommen Sinnlos. Soll ich dies tun oder vielleicht auch das? Das Leben macht es einem eben manchmal nicht leicht.

Ich kann euch von hieraus nur gut zureden: „Nehmt es nicht so tragisch.“

Das Leben will euch damit nur ein kleinen Wink geben, dass ihr gerade noch nicht eurer wahren Passion folgt.

Dieser Wink vom Leben kann einen ganz schön trübsinnig machen. Das muss er auch, weil wir als Mensch sonst nicht aufwachen und nicht die nötige Motivation erlangen, um etwas zu verändern. Deswegen spricht man auch so häufig von:

„In der Krise liegt die Chance!“

Die kleine, große oder mittelschwere Krise ist als Initialzündung zu verstehen. Sie macht uns deutlich, dass wir uns irgendwie oder irgendwo verlaufen haben. Mit Verlaufen geht meistens ein von sich entfernt haben einher.

Was gibt es dann besseres als eine Fernwanderung, um wieder zu sich zu kommen und aus dem neu gefundenen Selbst, neue Entscheidungen für sein Leben zu treffen?

Ich möchte euch in diesem Beitrag berichten, welche Erfahrungen und Erkenntnisse ich auf dem Jakobsweg 2015 gemacht habe und wie sich mein Leben danach verändert hat. Weiterhin möchte ich euch einen erweiterten Blick auf das Fernwandern geben, um vielleicht auch den einen oder anderen erfahrenen Wanderer unter euch, eine zusätzliche Perspektive beim Wandern zu ermöglichen. Denn Wandern ist eben mehr als nur einen Fuß vor den anderen zu setzten und sich in schöner Natur aufzuhalten. Es bietet uns eine Möglichkeit die eigene Art zu Leben und zu erkennen.

Die vier Ebenen der menschlichen Natur

Unser Leben, genau wie ein Tisch, steht auf vier Beinen. Diese vier Beine sollten möglichst im Gleichgewicht sein, sonst hat unser Leben, genauso wie der Tisch, keine Stabilität.

Diese vier Beine sind:

  1. ​Der Körper (Körperliches Training und Gesundheit)
  2. Der Intellekt (Verstandes Aktivität, lernen, planen, organisieren)
  3. Die Emotionen (Werte, Gefühle, Bedürfnisse)
  4. Die Spiritualität (Sinn des Lebens, Demut, loslassen )

Diese vier Beine oder Ebenen, werden in unserem hektischen Alltag meist nicht gleichermaßen bedient. Manche werden übertrieben belastet und trainiert und andere dabei vernachlässigt. Das kann für eine Weile gut funktionieren, doch irgendwann knickt ein Bein mal ab und braucht dann deine Zuwendung.

Eine Fernwanderung hat eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Entwicklungskonzepten:

  1. Sie bietet dir ein ausgewogenes Training auf allen vier Ebenen.
  2. Du brauchst keinen Coach oder Trainer zu bezahlen.
  3. Du kannst dich ohne Druck, in deinem eigenen Tempo entwickeln.
  4. Sie bietet dir zusätzlich noch wunderschöne, teilweise unberührte Natur, die du niemals auf anderen Wegen erreichen könntest.

Wie und im welchen Maße diese vier Ebenen auf einer Fernwanderung trainiert werden, möchte ich dir im Folgenden genauer beschreiben. Vorweg möchte ich noch darauf hinweisen, dass alle vier Ebenen miteinander verwoben sind und sich gegenseitig bedingen.

So solltest du auf einer Fernwanderung beispielsweise die Bedürfnisse deines Körpers im Blick haben und dementsprechend deine Tour planen. Planst du, ohne dabei auf deinen Körper zu achten, wird er rebellieren und du musst für einen oder mehrere Tage pausieren. Dadurch musst du vielleicht lieb gewonnene Begleiter ziehen lassen und bist eventuell enttäuscht, deinen Weg ohne sie fortsetzen zu müssen. Auf der anderen Seite, bekommst du dadurch auf der spirituellen Ebene die Chance das Loslassen zu lernen und das Leben so zu nehmen wie es kommt.

Eine Fernwanderung bietet dir ebenfalls die Gelegenheit zu beobachten, wie sich die Vernachlässigung einer Ebene auswirkt. Ein Ungleichgewicht wird dir nahezu augenblicklich gespiegelt und dadurch kannst du die Zusammenhänge des Lebens schneller begreifen und daraus lernen.

In unserem Alltag können manchmal Jahre vergehen, bevor sich eine vernachlässigte Ebene bemerkbar macht, wodurch es uns sehr schwer fällt dieses Zusammenspiel verstehen zu können.

Nun aber zu der ersten Ebene:

Dein Weg und der Körper

Dein Körper ist auf einer Wanderung die mit Abstand wichtigste der vier Ebenen, auch wenn die anderen drei Ebenen nicht unwichtig sind. Doch wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist zu laufen, dann kannst du nach Hause fahren und dein Weg ist damit zu Ende.

Unser Körper ist von Natur aus zum laufen geschaffen und kann, wenn er gesund ist, jeden Tag 20 km und mehr zurücklegen.

Auch wenn du dir jetzt vielleicht sagen wirst:

Ich schaffe das nie!“

Kann ich dir nur die Antwort geben:

„Doch, auch du schaffst das!“

Die Meisten auf dem Jakobsweg haben ein Alter zwischen 40

und 70 Jahren und sie schaffen den Weg fast alle.

Warum also nicht auch du?

Wiederum brechen jüngere und weitaus besser trainierte den Weg häufiger ab. Das heißt jung und sportlich zu sein, ist kein Garant dafür den Weg zu schaffen. Und Alt und unsportlich kein Garant dafür den Weg nicht zu schaffen.

Das Gleichnis ist eher: Je mehr du deinem Körper regelmäßig deine Aufmerksamkeit zuwendest, um so sicherer ist es, dass du den Weg schaffst.

Dein Körper hat mal gute und mal nicht so gute Tage und dementsprechend braucht er deine Aufmerksamkeit.

Es gibt Tage, da braucht dein Körper mehr als eine Pause und dann solltest du sie ihm auch gönnen und deine eigentlichen Ziele hinten anstellen. Dann wiederum gibt es Tage da läuft er mit Leichtigkeit 40 Kilometer und scheint gar nicht zu ermüden. Aber auch an solchen Tagen solltest du es nicht übertreiben und nicht noch unbedingt 10 Kilometer weiter marschieren. Morgen und übermorgen ist auch noch ein Tag und du wirst seine Kräfte noch brauchen.

Pflege des Körpers​

Die erste Woche solltest du es gemütlich angehen lassen und dich langsam steigern, so dass dein Körper sich an die neue und ungewohnte Belastung gewöhnen kann. Weiterhin solltest du jedes kleine Zwicken oder Stechen ernst nehmen und genau im Blick haben. Während einer Tagesetappe, solltest du deine Schuhe wenigstens einmal ausziehen und deine Füße atmen lassen. Sie werden es dir Danken. So bin ich ohne eine einzige Blase ans Ziel gekommen.

Jeden Abend empfehle ich dir deine Füße mit Hirschtalg und deine Beine mit Franzbranntwein oder ähnlichem einzureiben, damit dein Körper besser regenerieren kann. Auf diese Weise, kannst du ihm jeden Tag dafür danken, dass er dich und dein Gepäck zum Ziel gebracht hat.

Persönliche Erkenntnis​

Meine größte persönliche Erkenntnis in Bezug auf meinen Körper, war, dass ich Nahrung als die Energiequelle wahrgenommen habe, die sie im wesentlichen auch sein sollte. Natürlich war mir auch vorher bewusst, dass uns Nahrung Energie zuführt, doch durch unseren Überschuss an Nahrung auf der einen, und unseren Mangel an Bewegung auf der anderen Seite, vergisst man schnell den eigentlichen Sinn von Nahrung.

Auf dem Weg konnte ich lernen und wertschätzen, wie wichtig Nahrung für mein tägliches Wandern war. Ich habe gegessen, wenn ich Energie brauchte und nicht wenn ich Lust hatte. Für Sportler mag das ganz normal sein, für mich war es eine ganz neue Erfahrung.

Ich bin mir sicher, dass jeder seine ganz eigene Erfahrung auf dem Weg mit seinen Körper macht und ihn am Ende für ein Wunder hält. Achtet gut auf ihn, denn er ist dein wichtigstes Werkzeug auf dem Weg.

Dein Weg und der Intellekt

Die Wanderung beginnt schon zu Hause mit der Planung. Hierfür benötigst du das organisatorische Talent deines Intellekts. Du kannst dich natürlich auch ohne vorherige Planung auf den Weg machen, aber die Chance ist sehr hoch, dass du es im Laufe deiner Reise bereuen wirst. Also ist bereits vor der Wanderung dein Intellekt gefragt. Ich möchte den Punkt erwähnen, aber an dieser Stelle nicht genauer drauf eingehen. Information darüber findest du überall im Internet. (Packliste)

Planen ist gut aber nicht alles​!

Die ersten Tage auf dem Weg fängt dein Kopf automatisch an zu planen.

Wie weit soll ich heute gehen und wie weit morgen? Wann muss ich da oder dort sein? Wenn ich heute so weit laufe, wie weit muss ich morgen laufen usw.?

Am Anfang deiner Reise, ist dein Intellekt hoch aktiv, weil diese Situation für ihn fremd ist. Das ist richtig und wichtig, kann jedoch auch gleichzeitig zu einer Gefahr werden. Die Gefahr besteht darin, dass du über das viele Denken, vergisst auf deinen Körper zu achten und das eine oder das andere Warnsignal übersiehst.

Nach ein paar Tagen wird dir klar, dass übermäßiges Planen auf dem Weg wenig Sinn macht, weil dein Körper dein wichtigstes Gut ist. Ohne einen funktionierenden und gesunden Körper, keine Wanderung. Das wird auch dein Intellekt recht schnell begreifen und er passt sich mit der Planung deinem Körper an.

Mit der Zeit gewöhnt sich dein Kopf an das tägliche Wandern und hört mehr und mehr auf zu Planen, er fängt an sich langsam zu entspannen. Seine Planung reduziert sich nur noch auf die regelmäßige Nahrung oder Energiezufuhr und an welchen Zielort in Absprache mit dem Körper die nächste Übernachtung eingeplant wird.

Wenn sich Körper und Intellekt aufeinander eingespielt haben hat dein Verstand Zeit für andere Themen. Jetzt beginnt die Zeit, wo du deine psychischen Gedanken kennenlernst:

Deine psychischen Gedanken​

„Was mache ich hier überhaupt? Bin ich denn verrückt und will tatsächlich noch 600km laufen? Das schaffe ich nie! Wann kommt denn bloß der nächste Ort usw.?“

In dieser Phase lernst du, welche Kraft deine Gedanken haben. Wie sie dich runterziehen oder eben aufbauen können. Welchen Einfluss sie auf deine Gefühle haben. Du fängst an deine Gedanken positiver auszurichten, so dass du leichter dein Tagesziel erreichst. An manchen Tagen schaffst du es nicht und du brichst vor deinem eigentlichen Etappenziel ab.

Manchmal ist dein Verstand so sehr damit beschäftigt sich auf ein Ziel zu fokussieren, dass du so manche schöne Landschaft nicht einmal mehr wahrnimmst. Zielorientiertheit wird in unserer Gesellschaft ja meist mit Erfolg gleichgesetzt, auf einer Fernwanderung kann es dir im Weg stehen und dir dein Leben schwer machen

Persönliche Erkenntnis

Welche Wirkung unsere Gedanken auf uns haben und die Erkenntnis auf sie Einfluss nehmen zu können, war eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich auf dem Jakobsweg gemacht habe.

Mit der Zeit werden auch die psychischen Gedanken immer ruhiger und du fängst an, deine Emotionen besser kennenzulernen.

Dein Weg und die Emotionen

Emotionen sind unser Motor. Hätten wir keine Emotionen, würden wir buchstäblich nichts tun.

Wir würden es nicht einmal mehr schaffen aufzustehen. Denn du tust etwas, oder tust es eben nicht, nicht etwa weil du es im Kopf entschieden hast, sondern weil du ein bestimmtes Gefühl erwartest. Genau dieses Gefühl bringt dich dann dazu zu handeln oder eben dazu untätig zu bleiben.

Welche Rolle spielt das auf einer Fernwanderung?

Eine Große! Denn im Gegensatz zu unserem oftmals fremdbestimmten Alltag, entscheidest du nach deinem Gefühl, wann du jeden Tag aufbrichst oder wann du einen Tag pausierst, wie schnell oder wie langsam du gehst, wann du eine Pause machst und wann und wieviel du essen möchtest. Alles entscheidest du auf deiner Wanderung nach deinem Gefühl und so entwickelst du mit der Zeit ein immer besseres Gefühl für dich und deine individuellen Bedürfnisse.

Sollte sich allerdings dein Verstand noch mit seinen Zielen und Vorgaben beschäftigen, wieviel du heute noch zu laufen hättest und welchen Ort du heute noch unbedingt erreichen solltest. Dann nimm ihn nicht so ernst! Er will nur genau das machen, was er jahrelang in deinem Alltag auch gemacht hat.

Unser Alltag verlangt von uns, dass wir auch mal gegen unseren eigenen Rhythmus, Gefühle oder Werte handeln. So müssen viele von uns täglich zu einer bestimmten Zeit aufstehen, zu einer bestimmten Zeit Pause machen und im Anschluss noch den einen oder anderen „dringenden“ Termin wahrnehmen, egal ob wir uns gerade danach fühlen oder nicht.

Wer nicht mitmacht, fällt hinten runter!

Unser System lässt eben nur wenig Platz für individuelle Bedürfnisse und ist sehr Verstandesorientiert.

Auf einer Fernwanderung ist das anders. Du gehst jeden Tag genau dein Tempo und lebst das Leben auf dem Weg genau nach deiner Art. Hier findest du dich und lernst dich vielleicht zum ersten mal in deinem Leben kennen. Wenn du mal Wegbegleiter triffst und die eine oder andere Etappe mit ihnen läufst, wirst du schnell merken, dass jeder sein ganz individuelles Tempo läuft. Passt du dich dem Tempo deines Begleiters an, weil ihr euch gut unterhaltet, wirst du mit der Zeit unzufrieden. Das ist ein Zeichen dafür, dass du dich nicht im Blick hattest.

Ich habe Paare dort getroffen, die nach einigen Konflikten genau das für sich erkannt haben. Sie sind nach einer Woche Streitigkeiten den Rest des Weges getrennt gegangen und haben sich dann am Etappenziel wieder getroffen. Auch ich habe mich von einigen sehr liebgewonnen Begleiten trennen müssen, um mein Tempo wieder zu finden. Ich habe einige immer wieder getroffen, bin aber, nach dem ich das erkannt hatte, 70% des Weges alleine gegangen.

Auch hier spiegelt dir der Weg recht schnell, wenn du mal nicht ganz bei dir bist und vielleicht die Gesellschaft eines Wegbegleiter wichtiger wird als deine eigenen Bedürfnisse. Diese Erfahrung konnte ich dann auch eins zu eins auf mein Leben übertragen. Das Funktionieren und das abliefern von Leistung in unserer Gesellschaft ist oftmals wichtiger als unsere Bedürfnisse.

Persönliche Erkenntnis​

Auch wenn ich mich jetzt weit aus dem Fenster lehne, will ich mal behaupten, dass wir viele unserer Bedürfnisse in unserem hektischen Alltag kaum noch wahrnehmen. Und wenn diese These stimmen sollte, wie sollen wir dann noch vernünftige Entscheidungen für uns treffen? Viele leben ja ein Leben für die anderen und haben sich dabei vergessen.

Meine Emotionen und Bedürfnisse auf dem Weg wieder zu spüren und meine Tage danach auszurichten hat mich in eine Zufriedenheit geführt, die ich so vorher noch nicht erfahren habe.

Dein Weg und die Spiritualität

Was hat eine Fernwanderung mit Spiritualität zu tun? Das ist einfach zu erklären. Weil eine Fernwanderung eine Analogie zu deinem Leben ist. Du fängst deine Wanderung an einem bestimmten Punkt an und willst sie in der Regel an einem bestimmten beenden.

Auf dem Weg erlebst du, von der Motivation und Vorfreude auf das, was dir in den nächsten Wochen oder Monaten wiederfahren wird, über Enttäuschungen und Frustrationen bis hin zu Erfolgserlebnissen oder liebgewonnene Bekanntschaften, die du vielleicht auch wieder ziehen lassen musst.

Um es kurz auszudrücken, der Weg spiegelt dir, wie dein Verhalten gewisse Resultate erzeugte, so dass du sie auch mit dir in Zusammenhang bringen kannst. Jeder wird auf dem Weg seine ganz individuellen spirituellen Erfahrungen machen. Selbst wenn du dich vorher mit Spiritualität noch nicht beschäftigt hast.

Dankbarkeit

Viele Menschen, mit denen ich dort gesprochen habe, berichteten davon eine Form der Dankbarkeit entwickelt zu haben, die sie in ihrem Alltag nur schwer oder gar nicht erreichen können. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung, kann ich das nur so bestätigen. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich mich beispielsweise für Schatten, Wind, Sonne, Regen oder angenehmeren Bodenbelag bedankt habe, weil es einem das Gehen enorm erleichtert hat. Plötzlich wirst du für die einfachsten Dinge dankbar sein.

Für Situationen oder Naturphänomene, die du in deinem Alltag für selbstverständlich hältst und denen du keine größere Bedeutung zuschreibst. Sich wieder an den kleinen Dingen zu erfreuen, die uns jeden Tag umgeben und immer vorhanden sind ist eine äußerst spirituelle Erfahrung, die dich in deinem Leben entspannter werden lässt.

Im Fluss mit dem Leben, das erlernen von Demut

Weiterhin lernt man auf dem Weg das Leben so zu nehmen, wie es kommt, weil man keine andere Wahl hat. Du kannst es ja anders haben wollen und dich weigern die eine oder anderen Situation zu akzeptieren, nur wird es dir überhaupt nichts nützen, sondern es eher verschlimmern. Der Situation ist es ziemlich egal, was du von ihr hältst, sie wird sich dadurch nicht verändern.

Im Laufe deiner Wanderung lernst du schnell, dass du nur eine Wahl hast und zwar die Situation so schnell wie möglich zu Akzeptieren, ansonsten stellst du dir nur selbst ein Bein. Eine Situation ist völlig Neutral, sie erscheint dir nur in deinem jeweiligen Kontext als negativ oder positiv.

Ich habe viele getroffen, die sich über das Wetter, Höhenmeter oder über die Wegbeschaffung aufgeregt haben. Dies sind meist die Ersten, wenn sie ihre Einstellung nicht ändern, die den Weg abbrechen und nach Hause fahren. Sie wahren leider nicht in der Lage ihr Ego zu überwinden und wollten, dass sich die jeweilige Situation ihnen anpasst. Obwohl sie zu Hause mit ihrer Strategie vielleicht Erfolg haben, blieben sie hier Erfolglos.

Eine Fernwanderung lehrt einem Demut, wenn man denn dazu bereit ist. Demut bringt dir bei, dich nicht so wichtig zu nehmen und dich dem großen Ganzen, wie beispielsweise der Natur und ihrer Gesetze unterzuordnen.

Was brauche ich für mein leben? Weniger ist mehr!

Eine der ersten spirituellen Erfahrungen machen wir mit den Dingen, die wir so „unbedingt“ brauchen.

Aber kannst du sie auch tragen?

Auf dem Weg hast du keinen Keller oder Abstellräume, die du mit allen möglichen Dingen vollstopfen kannst, weil du dich nicht von ihnen trennen kannst.

Hier trägst du alles was du für dein Leben brauchst auf deinem Rücken. Wenn du z.B. eine tolle Spiegelreflexkamera mitnehmen möchtest, um tolle Fotos zu machen, dann musst du sie auch tragen. Das sollte auch kein Problem sein, wenn du wiederum auf etwas anders verzichten kannst. Wenn du dich von nichts trennen möchtest und es zu viel wird für dich, wird sich dein Körper melden und du wirst dich von einigen Sachen trennen müssen.

In den ersten Wochen auf dem Jakobsweg, werden die meisten Pakete nach Hause geschickt, weil sich viele Menschen überschätzen und so manches unnützes Utensil für extrem wichtig halten. Nach der Trennung von überflüssigen Dingen beginnt dein Leben sich zu reduzieren , welches dich zur Erkenntnis bringt, dass Weniger zu mehr Zufriedenheit führt. Ich konnte es mir vorher nicht vorstellen, wie wenig ein Mensch zum Leben braucht und dabei auch noch glücklicher wird.

Loslassen

Das loslassen von Dingen ist die eine Erfahrung. Eine weitere Erfahrung ist, wie steht es mit deiner Beziehungsfähigkeit zu Menschen. Wir sind ja nun mal soziale Wesen und brauchen uns. Doch viele Menschen haben genau da ihre Schwierigkeiten. Manche haben Angst davor sich auf jemanden einzulassen. Bei anderen wiederum ist dies kein Problem, allerdings können diese dann vielleicht nicht loslassen. Andere wieder ziehen nur ihr eigenes Ding durch und verzichten auf die netten gemeinsamen Stunden am Abend. Wiederum andere klammern sich förmlich an jemanden fest, weil sie nicht gern alleine sind.

Dein Tempo​

Auf dem Jakobsweg treffen viele Menschen aufeinander, die ihren eigenen Weg im Leben finden wollen. Sie wollen auch gemeinsam gehen und merken dann, dass das auf Dauer nicht gut geht. Nicht weil sie sich nicht verstehen, sondern weil wir eben alle ein unterschiedliches Tempo gehen.

Auf einem Tagesausflug mag das kein Problem darstellen, bei einer Fernwanderung führt das sehr schnell zu Unzufriedenheit, wenn man sich an das Tempo des anderen auf Dauer anpasst. Also muss man sich früher oder später von liebgewordenen Menschen wieder trennen und dem Leben vertrauen, dass man sie an einem anderen Ort wieder trifft. Hier fließen dann schon mal Tränen bei dem einen oder anderen.

Doch ich kann euch sagen, die Menschen, die man treffen soll, trifft man immer wieder ohne sich zu verabreden. Am Anfang denkst du noch vielleicht an Zufall, irgendwann jedoch kannst du es dem Zufall nicht mehr zuschreiben. Es ist einfach erstaunlich, wie einen das Leben immer wieder zusammenführt. Im Laufe des Weges verabredet man sich sogar bewusst nicht mehr und überlässt es dem Leben, ob man sich treffen soll oder nicht.

Abschließend hoffe ich, dass ich dir ein wenig verdeutlichen konnte, dass eine Fernwanderung mehr ist als eben nur eine Wanderung. Es ist eine Wanderung zu dir selbst. Auch wenn du dein Ziel nicht erreichst, hast du eine Menge über dich erfahren. Für mich wurde es zu einer der tiefsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe und würde es jeder Zeit wieder tun. Mein Leben hat sich nach dem Weg total Verändert.

Ich habe nach Jahren der Unzufriedenheit meinen Job gewechselt, Ich habe angefangen diesen Blog zu schreiben. Im allgemeinen stehe Ich dem Leben mit viel mehr Zuversicht gegenüber und freue mich was noch alles passieren wird. Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil ich der festen Überzeugung bin, dass eine Fernwanderung die angenehmste Art ist sich seinen Problemen zu stellen. Auch, wenn ich durch Coaching mein Geld verdiene und es auch für eine Sinnvolle Tätigkeit halte, kann das nicht im geringsten dies Erfahrung ersetzten.

Wenn ihr zum ersten mal eine Fernwanderung plant und Fragen zu euren Entwicklungsmöglichkeiten habt oder wie ihr sie intensivieren könnt, schreibt mir einfach eine Mail. Ich gebe euch gerne Antworten.

Dann erstmal viel Spaß!

Sei anders!

Marcus

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