Erkenne Dich und die Anderen. 5 Schutzstrategien, die dein Blick aufs Leben verändern werden!

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Schutzstrategien

Schutzstrategien? Vor was wollen wir uns eigentlich Schützen ? Wir wollen uns meistens vor unseren negativen, selbsterzeugten Gefühlen schützen. Darüber hinaus sind wir ständig bemüht, dass auch die Anderen nicht bemerken wie ungenügend wir uns in Wirklichkeit fühlen.

So entwickeln wir im Laufe unseres Leben sogenannte Schutzstrategien, die uns vor negativen Gefühlen oder Gedanken schützen sollen. Vieler dieser Strategien haben wir schon als Kind entwickelt und andere wiederum kommen erst im erwachsenen Leben hinzu, wie z.B die Flucht in die Sucht.

Da unsere vier Grundbedürfnisse nach: Bindung, Autonomie und Sicherheit, Lustbefriedigung, Selbstwerterhöhung, in unserem Leben nicht immer ausreichend befriedigt werden, entwickeln wir meist gleich mehrere Schutzstrategien.

Bevor wir die häufigsten angewandten Schutzstrategien uns genauer anschauen, möchte ich kurz die grundlegenden Funktionen und Wirkungsweisen von Schutzstrategien erklären. Ich werde mich in dem Artikel überwiegend auf die Aussagen der Dipl. Psychologin Stefanie Stahl stützen



Wie funktioniert eigentlich eine Schutzstrategie?


Eine Schutzstrategie möchte die Kraft, die beispielsweise negative Glaubenssätze erzeugen, entkräften, so dass wir nicht viel bewusst davon mitbekommen. Sie laufen in der Regel unbewusst ab, so dass wir vorerst kein Einfluss darauf nehmen können. Erst, wenn wir uns unsere eigenen Schutzstrategien bewusst machen, haben wir die Möglichkeit uns von ihnen zu befreien.

Wenn ein Mensch beispielsweise den geheimen Glaubenssatz „ Ich genüge nicht!“ in sich trägt, dann wird er entweder (unbewusst) alles dafür tun, um ihn zu entkräften oder er hat resigniert und tut (unbewusst) viel dafür, um ihn zu bestätigen.

Eine typische Strategie, die diese und ähnliche Glaubenssätze, welche unmittelbar den Selbstwert betreffen, zu entkräften, ist beispielsweise das Perfektionsstreben. Denn Perfektionsstreben ist weniger eine leidenschaftliche Hingabe an eine Tätigkeit, sondern meistens ein angstmotiviertes Verhalten, um nicht zu versagen oder abgelehnt zu werden.

So leben wir Menschen mit unseren Schutzstrategien auf der Hut nicht entlarvt zu werden. Keiner soll wissen, wie es uns wirklich geht. Bevor wir uns entblößen greifen wir lieber nach Alternativen, wie beispielsweise Medikamente, um weiter zu funktionieren und somit unser Gesicht zu wahren.

Das die Rechnung am Ende nicht aufgeht, wird uns meistens erst in der zweiten Lebenshälfte bewusst. Dann, wenn wir uns abgerackert haben und nicht mehr können, keine Kraft mehr haben. Dann fangen manche von uns nach innen zu schauen und vielleicht ihr Leben fort an anders auszurichten.

Im Folgenden werde ich die häufigsten Schutzstrategien genauer beschreiben. Vielleicht wirst du dich in der einen oder anderen wieder finden. Wichtig hierbei ist, dass wir unsere Strategien würdigen, denn sie waren für uns mal sehr notwendig und in machen Fällen haben sie uns vielleicht sogar das Leben gerettet. Sei also nicht zu streng mit dir und fange erstmal an dir deine Schutzstrategien etwas bewusster werden zu lassen.



Schutzstrategie 1: Realitätsverdrängung


Die Verdrängung von unangenehmen oder unerträglicher Realitäten ist ein ganz natürlicher und gesunder Selbstschutz und stellt erstmal kein Problem dar. Denn wenn uns ständig alle negativen Dinge, die auf unserer Welt passieren bewusst wären, würden wir ständig in starken Angst - und Ohnmachtsgefühlen leben.

Doch wenn ich etwas Verdränge, dann entzieht es sich meiner Wahrnehmung und ich kann keine bewussten Gefühle, Gedanken oder Handlungen dazu entwickeln. Somit verdrängen wir natürlich nur negative Situationen, die in uns Gefühle wie z.B. Angst, Trauer, Hoffnungslosigkeit oder Hilflosigkeit auslösen. Es gibt also kaum Motive etwas zu verdrängen, an dem wir etwas positives empfinden.

Somit gilt die „Verdrängung“ als die „Mutter aller Schutzstrategien“, weil natürlich der ganze Selbstschutz sich an ihr bedient. Alle folgenden Schutzstrategien stehen somit im Dienste der „Verdrängung„.



Strategie 2: Perfektionsstreben, Schönheitswahn und die Sucht nach Anerkennung


Typische Glaubenssätze:

Ich genüge nicht!

Ich darf keine Fehler machen!

Ich bin schlecht!

Ich bin hässlich!

Ich tauge nix!

Ich bin ein Versager!


Die meisten Menschen, die in ihrem Selbstwert verunsichert sind, vollziehen ihr Leben aus der Defensive. Perfekt heißt: fehlerfrei. Doch Perfektionisten laufen Gefahr, sich total zu verausgaben- von innen sieht das Hamsterrad der Betroffenen wie eine Karriereleiter aus.

Das Problem bei dieser Strategie ist, dass es kein Ankommen gibt. Es ist nie genug. Es gibt immer ein Höher, Weiter, Besser. Die Betroffenen rennen ständig hinter ihren eigen Ansprüchen her. Kaum ist ein Erfolg verbucht, muss der Nächste ergattert werden. Die erzielten Erfolge verschaffen nur kurzzeitig Erleichterung.

Oft meinen sie, ihre Erfolge wären eher auf Glück zurückzuführen, und sie hätten sie eigentlich gar nicht verdient.

Eine Variante des Perfektionsstrebens ist der Schönheitswahn.

An seiner äußeren Erscheinung zu feilen, scheint machbar. Man hat das Gefühl es kontrollieren zu können. Kalorien und Pfunde sind zählbar, Haare kann man färben und Cremes kaufen. 

Die tiefen dahinterliegenden Selbstzweifel sind schlecht greifbar und somit viel schwieriger zu bekämpfen. Deswegen projizieren viele Verunsicherte ihre Ich-Angst auf ihre äußere Erscheinung, weil man an dieser mit konkreten Maßnahmen arbeiten kann.

Die Erfolge, die man mit äußerer Schönheit erzielt, schaffen leider auch nur kurze Erleichterung. Je älter die Betroffenen werden, desto schwerer werden sie es mit dieser Strategie haben.

Gemeinsam ist beiden Strategien, dass die Betroffenen unheimlich bemüht sind, die Anerkennung ihrer Mitmenschen zu erhalten. Sie tun unglaublich viel aus der Motivation heraus, anerkannt zu werden. Nicht wenige richten auch ihre Hobbys, ihre Anschaffungen, ihre Partner usw. nach diesem Motiv aus.

Natürlich ist kaum ein Mensch wirklich frei von solchen Ambitionen

Dies liegt in dem Umstand begründet, dass wir soziale Wesen sind und auf Bindung angewiesen sind.

Würdigung dieser Strategie:

Wer nach Perfektion strebt, ist eine Kämpfernatur. Du hast viel Kraft, Fleiß und Disziplin. Das sind alles starke Eigenschaften. Deswegen hast du es mithilfe dieser Strategie auch schon weit gebracht. Du darfst ruhig stolz auf dich sein.



Schutzstrategie 3: Harmoniestreben und Überanpassung


Typische Glaubenssätze:

Ich muss mich dir anpassen! 

Ich genüge nicht!

Ich bin dir unterlegen!

Ich muss immer lieb und artig sein!

Ich dar mich nicht wehren!


Harmoniestreben ist genau wie Perfektionsstreben in unserer Gesellschaft eine sehr häufig angewandte Schutzstrategie. Oft kommen sie gemeinsam zum Einsatz. Beide Strategien beschützen die übermäßige Angst von anderen Menschen abgelehnt zu werden.

Menschen, die nach Harmonie streben, möchten möglichst alle Erwartungen ihrer Mitmenschen erfüllen. Sie haben als Kind die Erfahrung gemacht, dass dies der erfolgreichste Weg ist, um Zuwendung und Anerkennung zu erhalten. Dafür haben sie schon früh gelernt, ihre eigene Wünsche und Gefühle zu unterdrücken.

Emotionen wie Wut und Aggression, die dem eigenen Willen ungeheure Kraft verleihen könnten, unterdrücken sie reflexartig. Auf persönliche Grenzverletzungen und Kränkungen reagieren sie eher mit Trauer als mit Wut. Deswegen sind Menschen mit dieser Schutzstrategie stärker gefährdet, in Depressionen abzugleiten, als Menschen, die einen guten Zugang zu ihrer Wut haben. Anstatt also laut zu sagen, was sie wollen, ziehen sie sich lieber aus dem Kontakt zurück und mauern.

Weil die Harmoniebestrebten so gut trainiert sind, ihre eigenen Wünsche zu unterdrücken, wissen sie häufig selbst nicht, was sie wollen. Es fällt ihnen schwer, persönliche Ziele zu definieren und Entscheidungen zu treffen.

Harmoniesüchtige haben große Angst anzuecken, und sind deswegen konfliktscheu. Deswegen sagen sie oft nicht ehrlich, was sie fühlen, denken und wollen - zumindest dann nicht, wenn sie befürchten, hiermit auf Widerstand zu stoßen.

Betroffene nehmen ihr Gegenüber oft als überlegen war. Aufgrund dieser Wahrnehmungsverzerrung geraten sie leicht in die Opferrolle: Aus Angst vor dem scheinbar Stärkeren ordnen sie sich diesem freiwillig unter und tun Dinge, die sie eigentlich nicht tun wollen.

Würdigung der Strategie:

Du gibst dir unendlich viel Mühe mit deinen Mitmenschen auszukommen und sie nicht zu verletzten. Das macht dich sympathisch und zu einem guten Teamarbeiter, weil du deine Bedürfnisse hinten anstellst.



Schutzstrategie 4: Helfersyndrom


Typische Glaubenssätze:

Ich bin wertlos! 

Ich genüge nicht!

Ich muss dir helfen, um geliebt zu werden!

Ich bin unterlegen! 

Ich bin von dir abhängig!


Menschen, die unter einem sogenannten "Helfersyndrom" leiden beschützen sich, indem sie anderen Menschen, die sie als bedürftig wahrnehmen, ihre Hilfe anbieten. 

Durch ihre guten Taten fühlen sich die Betroffenen aufgewertet und nützlich. Somit gehört das Helfersyndrom zu den sozial verträglichsten Selbstschutzstrategien.

Das Problem ist eher, dass die Helfenden geneigt sind, sich an Menschen zu binden, denen sie nicht helfen können.

Sie können sich in aussichtslose Hilfsprojekte verstricken, insbesondere dann, wenn der oder die Bedürftige der eigene Partner ist.

Sie binden sich bevorzugt an Partner, die offensichtliche Defizite aufweisen. Der oder die Helfende ist so bemüht den Partner aus seiner Misere zu befreien und somit für ihn unschätzbar wichtig wird.

Hierfür sind Partner mit psychischen Problemen geeignet, Suchtkranke, Pflegefälle oder auch Partner, die finanziell kurz vor dem Abgrund stehen.

Die Helfenden kämpfen oft bis zur Verausgabung auf verlorenem Posten. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ihr Einfluss auf ihr Zielobjekt letztlich gering ist, solang dieser für seine Probleme keine eigene Verantwortung übernimmt und selbst nichts ändern will.

Weiterhin werden Helfer von ihrem Partner meistens nicht gut behandelt. Ihre eigenen Bedürfnisse nach Zuwendung und Aufmerksamkeit kommen chronisch zu kurz. Hierdurch wird die Grundangst bestätigt, dass man wertlos und schlecht ist. Um sich das Gegenteil zu beweisen kämpfen die Betroffenen weiter um ihren Partner mit der Hoffnung, dass sich der Partner irgendwann ändert.

Würdigung der Strategie:

Du gibst dir unheimlich viel Mühe, zu helfen und ein guter Mensch zu sein. Das hat deinen ganzen Respekt verdient. Manchen Menschen hast du auch schon richtig geholfen, und sie danken es dir.



Schutzstrategie 5: Machtstreben


Typische Glaubenssätze:

Ich bin dir ausgeliefert!

Ich ohnmächtig!

Ich kann mich nicht wehren!

Ich genüge nicht!

Ich darf keine Fehler machen!

Ich darf niemanden vertrauen!

Ich muss alles im Griff haben!

Ich komme zu kurz!


Menschen mit dieser Schutzstrategie weisen übermäßige Angst auf, in eine unterlegene und schwache Position zu geraten, angegriffen und vernichtet zu werden. Meistens fühlten sie sich die Betroffenen schon als Kind der Übermacht ihrer Eltern häufig ausgeliefert. Wie bei den Harmoniebeflissenen projizieren die Machtbestrebten in ihre Mitmenschen eine potenzielle Überlegenheit und Dominanz. 

Der Unterschied der beiden Schutzstrategien besteht darin, dass die Machtbestrebten nicht durch Anpassung sonder durch Auflehnung ihren Mitmenschen begegnen.

Menschen mit diesem Muster wollen im zwischenmenschlichen Kontakt die Oberhand behalten. Hierbei können sie (unbewusst) grundsätzlich zwischen zwei Strategien wählen: dem aktiven und dem passiven Widerstand. Die meisten wenden beide an.

Bei Menschen mit einem hohen Macht- und Kontrollmotiv spielen sie jedoch eine besondere Rolle.

Um Widerstand zu leisten, benötige ich ein gewisses Maß an Aggression, deswegen spricht man auch von aktiver beziehungsweiser passiver Aggression. Aktive Aggressionen sind als solche erkennbar.

Der Betreffende beharrt auf seinem Recht, streitet, greift an. Die passive Aggression beziehungsweise der passive Widerstand ist auf den ersten Blick nicht so leicht durchschaubar. Ein Mensch, der sich passiv- aggressiv verhält, teilt seinem Gegenüber nicht offen seinen Willen mit, sonder verweigert sich durch größere oder kleinere Sabotageakte. Diese Laufen im Kern alle darauf hinaus, dass die Person einfach genau das nicht tut, was von ihr erwartet wird.

So werden Zusagen zwar gegeben, aber nicht eingehalten oder vergessen. Auch Sexuelle Lustlosigkeit ist eine häufige Ausdrucksform von passiven Aggressionen.

Im Konflikt agieren die passiv-aggressiven hinter der Maske der äußerlichen Ruhe. Dieses Verhalten kann seinen Interaktionspartner so in Rage bringen, dass letztendlich er als „Schuldiger“ dasteht, weil er in seiner Hilflosigkeit die Wut nach außen trägt.

Menschen, die ein hohes Machtmotiv aufweisen, sind im zwischenmenschlichen Umgang eher schwierig, weil sie übermäßig viel Recht haben wollen, es meistens nach ihrem Willen gehen muss oder weil sie sich passiv-aggressiv einer sinnvollen Kooperation verweigern.

Auch Menschen, die im Umgang eigentlich ganz lieb und harmoniebedürftig sind, können zumindest "anfallsweise" von einem hohen Machtmotiv besessen sein.

Würdigung der Strategie:

Du bist ein starker Typ. Du wehrst dich und bietest deinen Gegnern die Stirn. Du bist das Gegenteil von Resignation. Du hast einen unheimlichen starken Überlebens -und Selbstbehauptungswillen. Dieser hat dich auch schon oft Beschützt und weitergebracht.



Fazit


Vielleicht hast du dich in der einen oder anderen Schutzstrategie wiedergefunden. Dennoch stellen die 5 Schutzstrategien nur einen Anfang dar. Wenn du dich mehr damit beschäftigen möchtest, empfehle ich dir das Buch von Stefanie Stahl zu lesen oder zu hören mit dem Titel:

„Das Kind in dir muss Heimat finden“ Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme.

Alle dieser vorgestellten Strategien stammen aus dem Buch und sollten dir einen ersten Einblick geben. Weiterhin bietet das Buch viele Möglichkeiten sich von den Strategien zu befreien.

Also wer keine Lust mehr hat sich abzurackern sollte zu dem Buch greifen.

Viel Spaß beim Lesen

Sei anders!

Marcus

​.

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2 Kommentare

  1. Kerstin sagt:

    Sehr interessant und leicht zugänglich aufgeschrieben, Danke. Vor etwa 5 Jahren habe ich mich persönlich viel mit diesen Themen beschäftigt, inzwischen laufe ich aber im ähnlichen „Hamsterrad“ herum, Meine Zeit ist wider reif mehr ins Innere zu sehen. Herzliche Grüße

    • Marcus sagt:

      Vielen Dank Kerstin für deinen Kommentar. Ich wünsche dir weiterhin genügend Zeit für dich und mit dir sich zu beschäftigen.
      Alles gute weiterhin!

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