Gib mir 10 Minuten und du siehst deine Krise mit anderen Augen. Warum eine Krise der Motor deiner Bewusstseinsentwicklung ist.

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Krisen sind Chancen sich zu entwicklen

Ich begegne in meinen Beruf täglich Menschen mit Krisen. Sie sind oft verzweifelt oder spielen noch ihren letzten Rest an Stärke vor, um ihr Dilemma vor der Außenwelt zu verbergen. Oder sie kommen an einen Punkt zu mir, an dem sie einfach keinen Ausweg mehr sehen und bereit sind alles zu tun, nur um aus ihrer Situation herauszukommen. Ein weiterer, jedoch kein geringer Teil, lebt seid Jahren in der Krise und sieht sie als gegeben an. Die alten meist nicht mehr zeitgemäßen Strukturen kleben so fest an ihnen, dass sie nicht im Stande sind sie zu hinterfragen. Diese Menschen sind meist tief unzufrieden und versuchen ihre Energie darauf auszurichten ihre Umwelt an ihre Strukturen anzupassen, was ihnen aber immer weniger gelingt.

So verlaufen Krisen individuell unterschiedlich und doch haben sie etwas gemeinsam, sie haben allesamt mit der Angst vor einer Entscheidung zu tun. Doch dazu später mehr.

Ich schreibe diesen Beitrag, um Menschen den eigentlichen Sinn einer Krise näher zu bringen und zu verdeutlichen, dass in jeder Krise sich auch neue Perspektiven verbergen. Diese gilt es zu erkennen, um sich in solchen Situationen zurechtfinden zu können. Weiterhin möchte ich verdeutlichen das Krisen etwas natürliches sind und grundsätzlich nicht verhindert werden können. Wir können eben nur einen anderen Umgang mit ihnen erlernen und ihnen dadurch anders begegnen. Ich möchte mich diesem Thema über ein Modell der Entwicklungsstufen nähern, um die Natürlichkeit von Krisen deutlich hervorzuheben.

Darüber hinaus möchte ich vorweg darauf hinweisen, dass die Entwicklungsstufen des Bewusstseins ein Erklärungsmodell sind, welche als ein grober Wegweiser der Wirklichkeit dienen können, sie jedoch nicht den Anspruch erheben, diese vollkommen abzubilden. Dafür ist die Wirklichkeit zu komplex. Beispielsweise können traumatische Erfahrungen einzelne Entwicklungsschritte blockieren und bedürfen somit einer spezielleren Behandlung

Bewusstsein

Unser Bewusstsein verhält sich zwischen unserem „Selbst“ und der Realität wie eine Art Filter und verhindert, dass wir diese Realität annehmen, ohne sie vorher zu bewerten.

Früher oder später resultieren daraus natürlich Probleme, die unser Bewusstsein für seine Entwicklung benötigt.

Denn alles ist Entwicklung und Voranschreiten. Es gibt keinen Rückwärtsgang im Leben. Maximal können wir von einem Eintauchen in alte Verhaltensmuster sprechen, die wir uns durch unsere Vergangenheit eingeprägt haben. Manche dieser Muster, sind heute nur noch bedingt konstruktiv, jedoch verbirgt sich in jedem alten Verhaltensmuster eine Chance aufzuwachen und das zukünftige Verhalten zu ändern.

Denn du entwickelst dich zu jeder Sekunde, auch wenn dein Bewusstsein sich das nicht vorstellen kann. Alles entwickelt sich und zwar in seinem jeweiligen Tempo. Natürlich kann jeder seiner Entwicklung durch externe Unterstützung, wie beispielsweise Therapien oder Selbsterfahrungs-Workshops ein wenig nachhelfen. Mit deren Hilfe kann man einerseits die Denk- und Sichtweisen der vorigen Stufe etwas aufweichen und sie als Teil der eigenen Entwicklung dankend annehmen und andererseits die neuen Inhalte versuchen zu integrieren.

Doch zu viel Nachhilfe scheint der Entwicklung auch nicht gut zu tun. Hier können wir es leicht übertreiben. So wie eine Blüte ihre Zeit braucht, um sich entfalten zu können, so brauchen wir auch unserer Zeit, den einen oder anderen Schritt zu gehen. Jeder von außen kommende Versuch, der Blüte nachzuhelfen sich schneller zu öffnen, lässt die Blüte eingehen. 

Bei einer achtsamen und wertschätzenden Unterstützung können schwere Krisen jedoch verhindert werden, denn diese Übergänge in die jeweilige nächste Stufe gestalten sich oft nicht sehr angenehm für uns. Eine Stufe zu überspringen ist jedoch nicht möglich und auch nicht förderlich, wie ihr gleich erfahren werdet.

Die Entwicklung am Beispiel eines Menschen

Wir Menschen brauchen ca. ein Jahr bis wir anfangen zu laufen, ungefähr 11- 12 Jahre bis wir in die Pubertät kommen und dann ca. zum 16.- 18. Lebensjahr bis wir diese überwunden haben. Jedoch sind die Wenigsten von uns in diesem Alter bereits unabhängig und in der Lage eigenständig für sich zu sorgen. Erst in den folgenden Jahren, lernen wir langsam Verantwortung für uns selbst zu tragen und finanziell unabhängig zu sein, um dann ab Mitte der 20er bis Mitte der 30er Jahre, ihre eigenen Familien zu gründen und Verantwortung für andere zu übernehmen. Auf diese Weise setzt sich die Entwicklung dann weiter fort bis hin zum Tode.

Bei anderen Lebewesen ist dieser Zyklus zum Teil länger oder auch kürzer. So können zum Beispiel manche Arten der Schildkröten weit über 200 Jahre alt werden und dementsprechend auch länger Zwischenstadien in ihrer Entwicklung haben.

Doch Warum schreibe ich das alles?

Vor allem, weil es keine neue Erkenntnis ist.

Eine Annäherung an die Entwicklung unseres Bewusstseins

Ich schreibe das, um eine Analogie zu unserem Bewusstsein herzustellen, welches, genau wie unser Körper, seine Entwicklungsstufen durchlebt. So hat beispielsweise ein Baby ein anders Bewusstsein als ein Kind und ein Jugendlicher wiederum ein anderes als ein Erwachsener. Alle sehen sie die Welt mit anderen Augen. Der grundlegendste Unterschied besteht jedoch darin, dass sich die höhere Stufe („höher“ nicht im Sinne von „besser“ oder „intelligenter“) mit ein wenig Mühe in die unteren einfühlen kann und somit auch nachvollziehen kann.

So können manche Erwachsene hervorragende Kinderbücher schreiben. Das können sie, weil sie ihre eigene Kindheit bereits erlebt haben und auf ihre eigenen Erfahrungen zurückgreifen können. Andersherum ist das leider nicht möglich. So kann ein Kleinkind beispielsweise nicht nachvollziehen, was der Liebeskummer für den Jugendlichen bedeutet. Ein Kind wird es nicht verstehen und schon gar nicht nachempfinden können.

So wächst jedes Bewusstsein Tag für Tag, von Ebene zu Ebene und von Stufe zu Stufe.

Jeder Wechsel in eine neue Ebene oder Stufe birgt eine Krise in sich. Diese Krisen sind jedoch in Wirklichkeit lediglich die Ankunft einer neuen Bewusstseinsstufe oder einer neuen Ebene innerhalb einer Bewusstseinsstufe. Auch wenn sich solche Krisen ausweglos und schmerzhaft anfühlen, sind sie doch nur die Folgen der Ablösung von einer alten Stufe zu etwas vollkommen Neuem. Demnach kann auch keine Stufe übersprungen werden, weil die jeweilige vorhergegangene Stufe wichtig ist, um die nächste überhaupt leben zu können.

So ist die Einheit mit der Mutter während der Schwangerschaft unverzichtbar. Der Fötus könnte ohne diese Einheit nicht überleben. Zu Anfang übernimmt die Mutter noch die Funktion der Organe, bis sich diese beim Fötus so weit entwickelt haben, dass sie die Funktionen selbst übernehmen können.

Nach der Geburt folgt die zweite Stufe. Dort wird die Einheit mit der Mutter durch die Bindung zur Mutter ersetzt. Bindung kann jedoch nur entstehen, wenn vorher etwas getrennt wurde. Ohne das vollkommende Einheitsempfinden der ersten Stufe, kann die zweite Stufe der Bindung nicht gelebt werden.

Jede Stufe hat ihre Wichtigkeit. Sie muss erfahren werden, um dann die nächste Stufe Leben zu können. Deswegen kann keine Stufe übersprungen werden, aber auch ein Zurückgehen ist nicht möglich.

Manche Menschen, deren Bewusstsein die Welt aus einer anderen Entwicklungsstufe betrachten, sehnen sich manchmal noch die alten Zeiten zurück. Doch ganz tief in ihnen gibt es kein zurück mehr.

Doch die Entwicklung des Bewusstsein während unseres Lebens ist nicht genug. Denn wenn es das einzelne Bewusstsein gibt, gibt es auch ein kollektives Bewusstsein, welches auch seine Entwicklungsstufen hat.

Das kollektive Bewusstsein

Unsere Gesellschaft und die der anderen Kulturen auf unseren Planeten befinden sich dementsprechend auch in einer bestimmten Bewusstseinsstufe, wobei sich einige von unserer unterscheidet. Auch hier greift die Regel: Eine untere kann die obere nicht verstehen, bis diese nicht selbst die entsprechende Stufe erreicht hat.

Dadurch wird deutlich, warum manche Kulturen andere als unzivilisiert betrachten. Dabei übersehen wir jedoch, dass sie genau diese Stufe mit all ihren Stadien durchlaufen müssen und ihre Zeit der Erfahrungen dafür brauchen.

Es wäre beispielsweise fatal einem Land die Demokratie aufzuzwingen zu wollen, obwohl die Gesellschaft noch nicht das kollektive Bewusstsein für eine Demokratie hat.

Was dabei herauskommt, konnten wir im Jahr 2003 beobachten, als die USA und ihre Verbündeten während der Amtszeit von George W. Bush im Irak einmarschierten. Was in den folgenden Jahren passierte, wäre so als würden wir von einem Kind verlangen seine Konflikte mit anderen Kindern auf eine faire, gleichberechtigte und wertschätzende Art und Weise zu lösen und zwar ab sofort.

Das kleine Kinder dazu nicht in der Lage sind und diese Fähigkeiten erst lernen müssen, ist uns wohl allen klar.

Auf die selbe Art müssen diktatorisch geführte Gesellschaften erst lernen was Demokratie bedeutet. Das Volk muss erst begreifen, welche Konsequenzen aus dieser Eigenverantwortung entstehen können.

Wir sollten mit anderen Kulturen geduldiger umgehen und ihnen ausreichend Zeit zur Entwicklung geben, auch wenn sie auf uns aus heutiger Sicht barbarisch wirken. So wie wir es auch mit unseren Kindern handhaben und uns eben nicht als etwas besseres betrachten.

Vielleicht sind die westlichen Gesellschaften tatsächlich eine Entwicklungsstufe höher, jedoch sollten wir dabei nicht vergessen, dass vor nicht all zu langer Zeit noch ähnliche Bedingungen in unseren Gesellschaften herrschten. Denn genau diese Bedingungen mussten wir erleben, um heute in unserer Demokratie zu leben.

Entwicklungen brauchen Krisen

Ob als Individuum oder als Kollektiv, gehen Krisen immer Neuanfängen voraus. Die Krise (kommt von krísis, ursprünglich Entscheidung) beschreibt eigentlich den Vorgang einer Entscheidungsfindung und zwar altes loszulassen und neues anzunehmen und schließlich zu integrieren.

Es findet ein Paradigmenwechsel statt, aus dem dann eine neue Handlungsebene entsteht. Man könnte auch sagen, dass Krisen eine Brutstätte für Entwicklungen sind. Dieser Prozess verläuft nicht linear, sondern zeichnet sich durch immer wiederkehrende Rückfälle in die alten Verhaltensmuster aus, bis sich das neue Verhalten vollkommen integriert hat.

Dieses kann man bei Jugendlichen in der Pubertät gut beobachten.

Dieses fortlaufende loslösen und Halt suchen ist typisch für die Phase. Jugendliche wollen raus aus der Kindheit und haben gleichzeitig Angst die Vorzüge der Kindheit loszulassen. Diese hochambivalente Phase macht vielen Eltern zu schaffen. Doch diese Zeit des Wandels ist wichtig für uns, um in das Leben eines Erwachsenen zu treten.

Die Pubertät ist eine natürliche Krise, die jeder von uns durchläuft, doch wir können sie auch als Analogie für andere Krisen betrachten. Dieser Lebensabschnitt macht wie kaum eine andere Phase deutlich, wie Krisen in der menschlichen Entwicklung verlaufen.

Es entsteht eine Ambivalenz zwischen dem Neuen, was einem zu Anfang vollkommen fremd erscheint und angenommen werden möchte und dem Altvertrauten was langfristig losgelassen werden muss. In dem Prozess der Pubertät tritt an die Stelle der Bindung, der vorhergegangenen Stufe, immer mehr das "Ich". Es entwickelt sich aus einer im besten Falle "gesunden" Bindung heraus. Hier entsteht eine hin und her gerissene Situation, die uns zum Ende des Prozesses auffordert eine Entscheidung zu treffen. Ab diesen Moment fängt man an das Alte langsam loszulassen und findet sich mehr und mehr in seiner neuen Entwicklungsphase zurecht. Loslassen bedeutet jedoch nicht aufzugeben, abzuwerten oder zu idealisieren. Es bedeutet das Vorhergegangene eben als etwas notwendiges und wichtiges wertzuschätzen, um den neuen Entwicklungsschritt zu gehen. 

In unserem Leben werden wir immer wieder leichtere und schwerere Krisen durchleben. Denn die Menschheit entwickelt sich fortlaufend und achtet nicht auf jeden einzelnen. Wird die Differenz zwischen der individuellen Welt und der Welt an sich zu groß, wird das Individuum aufgefordert sich anzupassen. Die Möglichkeiten sind da vielfältig, doch eine Veränderung ist unabdingbar.

Ein Trainer in meiner Gestalttherapeutischen Ausbildung sagte mal:

„ Die Welt ist halt kein Urlaubsplanet“.

Ich verstand damals noch nicht den tieferen Sinn dieser Aussage. Heute ist mir klar, dass wir Krisen nicht vermeiden können. Wir können ihnen jedoch mit einer anderen Haltung entgegentreten.

Ich würde mich freuen, wenn ich einigen von euch verdeutlichen konnte, dass Krisen auch eine hoffnungsstiftende Perspektive in sich tragen, auch wenn wir sie manchmal nicht gleich erkennen. Versucht das Leben nicht immer so tragisch zu nehmen, es will euch wachsen sehen.

PS: Wenn euch die einzelnen Entwicklungsstufen unseres Bewusstseins interessieren und welche Chancen und Möglichkeiten sich daraus ergeben, oder ihr einfach mehr darüber erfahren wollt, dann schreibt mir das in den Kommentaren. Ich werde dann weitere Beiträge zu den einzelnen Stufen verfassen. 

Sein anders!

Marcus

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