Nicht du bist das Problem, sondern deine Diagnose!

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Diagnosen

Vielen Menschen in unserer leistungsorientierten Gesellschaft geht es anscheinend zunehmend schlechter. Diagnosen wie Burn-Out, Depression und ADHS kursieren schon länger durch die Schlagzeilen. Verschreibungen von Psychopharmaka steigen ins unermessliche. Was ist los mit uns? Halten wir dem schnellen Fortschritt nicht mehr stand? Oder ist es vielleicht auch normal, dass wir uns von den Anforderungen unseres Alltags auch mal erschöpft fühlen?

Eine Klient, dem ich aus einer psychosomatischen Klinik mit einer Depression und einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung übernahm sagte zu mir neulich: „In der Arbeit mit ihnen fühle mich das erstmal in meinem Leben nicht Krank oder verrückt!“ Seine Aussage wirkte so befreiend auf mich, als ob er sich von etwas sehr schwerem befreit hat.

Er sagte weiter: „Mir ist bewusst geworden, dass ich einfach ein Mensch bin, der ein gewisses Verhalten an den Tag legt, welches viele Menschen nicht gleich verstehen und manchmal  meine Stimmung dadurch sehr betrübt ist. Doch das hat auch alles seine Gründe, die ich jetzt verstehe. Ich habe weder eine Störung noch eine Depression. Ich bin einfach ein Mensch, der sich auch verändern kann.“

Der Klient hatte in diesem Moment für sich begriffen, dass er nicht seine Diagnose ist, sondern ein Mensch, dem eine Diagnose gegeben wurde.



Wer entscheidet eigentlich, was krank ist und was nicht?


Diagnosen, die unsere Psyche betreffen, werden im aktuellen DSM 5 klassifiziert. Ein Verbund von Psychiatern in den USA entscheidet, was krank ist und was nicht. Im Laufe der Zeit sind seit dem DSM 1 (1956) bis zum DSM 5 (2013) 268 Diagnosen hinzugekommen.

Werden wir immer Verhaltensauffälliger oder werden wir dazu gemacht?

Ich denke letzteres ist der Fall!

Nehmen wir als Beispiel mal die Trauer. Das DSM-3 (1980) hatte für Trauer uns noch ein ganzes Jahr zugestanden, Im DSM-4 (2000) schon nur noch zwei Monate. Im DSM 5 sind es ganze vierzehn Tage. Beinahe hätte das DSM-5 gar nicht mehr zwischen natürlicher Trauer und Depression unterschieden. Aber das kann ja noch kommen. Trauerst du also länger als 14 Tage um ein verstorbenes Familienmitglied, bist du heute offiziell krank und bekommst den Stempel einer Depression aufgedrückt.

Ein weiterer Kritikpunkt am DSM-5 ist die Befangenheit der Autoren. Denn neue Diagnosen helfen der Pharmaindustrie ihre Medikamente besser zu verbreiten.

Eine Studie der University of Massachusetts Boston fand heraus, dass 69 % der DSM-5-Autoren Verbindungen zur Pharmaindustrie hatten; bei der Arbeitsgruppe zu affektiven Störungen (wo Depressionen dazugehören) waren es 83 % und bei den für Schlafstörungen zuständigen Autoren waren es 100 %.(mehr)

Wie in vielen Bereichen unseres Lebens geht es auch der Gesundheitsindustrie um Profit. Gewinn ist aus deren Sicht nur dann nur zu erwirtschaften, wenn eben viele Krank sind und wenn wir nicht alleine krank werden, dann müssen wir halt krank gemacht werden. Was ihr am Beispiel der Trauer deutlich sehen könnt.

Diagnosen sind meines Erachtens eine hoch ausgeklügelte Marketingstrategie, die uns darüber hinaus unsere Individualität rauben. Verpackt werden sie als Geschenk, welches uns Sicherheit und Orientierung bieten soll.



Wozu brauchen wir Diagnosen oder wer braucht sie?


Diagnosen sind heute schnell gestellt und werden dir schon fast, wie auf dem Jahrmarkt hinterher geschmissen.

In meiner Diplomphase hatte ich zwei Jobs und fühlte mich zum Ende hin ziemlich erschöpft. Ich entschloss zum Arzt zu gehen und mich zwei Wochen krank zu schreiben, um meinen Abgabetermin der Diplomarbeit zu verlängern. Als ich nach 10 Minuten rauskam, hatte ich eine Krankmeldung und eine Packung Antidepressivum. Der Arzt sagte mir, das gebe er häufig Studenten, die in solchen Phasen stecken.

Doch was ich damals nicht wusste, ich hatte nicht nur eine Krankmeldung und eine Packung Pillen, sondern auch eine Diagnose. Denn ohne Diagnose kein Medikament. Diagnosen sind in erster Linie nicht für uns, sondern für die Krankenkassen. Nur wenn der Arzt dir eine Diagnose stellt, darf er dich behandeln und was verschreiben.

Ein Psychiater sagte mal auf einer Fortbildung zu mir:

„Ich gucke immer, für welche Hilfen ich welche Diagnose brauche und dann schiebe ich es hin und her bis es passt.“

Was meint er damit?

Für mache Diagnosen gibt es bestimmte Hilfen, die es für eine andere wiederum nicht gibt. Ist der Arzt der Überzeugung, dass diese oder jene Hilfe für dich die richtige wäre, muss er dir eine dementsprechende Diagnose geben.

Ihr merkt schon, wie wenig Diagnosen mit uns im eigentlichen Sinne zu tun haben.



Was sagen Diagnosen über uns aus?


Diagnosen sagen nichts über uns aus, können sie auch nicht, denn dafür sind wir einfach viel zu Komplexe Wesen, als das uns irgendwelche Symptome in irgendeiner Weise beschreiben könnten. Fragt euch doch mal selbst, wenn euch ein Arzt damit konfrontieren würde, ihr hättet beispielsweise eine Persönlichkeitsstörung?

Was würde die Diagnose mit euch machen?

Was heißt überhaupt Persönlichkeitsstörung?

Und jetzt soll ich sowas haben ???

Ihr merkt vielleicht schon wie konfus das ist, wenn ein Medizinisches System unsere Psyche in eine Schublade pressen will.

Vielleicht sagt die Diagnose mehr über den aus der sie stellt, als der sie bekommt!? 

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Selbst die konservative FAZ stellt inzwischen fest, daß psychische Krankheiten keine Krankheiten, sondern ein Deutungsmuster sind: Als psychisch krank würde definiert, was gegen bestimmte Regeln verstoße und von Normen abweiche. Diese Normen wären nicht ein für alle Mal festgelegt, sie könnten sich verändern.

So galt beispielsweise Homosexualität im DSM 1 und 2 noch als psychische Störung.

Auch der Psychiater und Psychiatriekritiker Thomas Szasz meint, es gäbe psychische Krankheiten garnicht im eigentlichen Sinne, sondern nur als Metapher für unerwünschtes Verhalten.



Was machen Diagnosen mit uns und warum bist du nicht das Problem?


Diagnosen wirken wie ein Stempel, der uns in unserer Veränderung sehr stark blockieren kann. Vielen Menschen wird eingeredet, sie müssen ihre Krankheit akzeptieren und sich mit der Medikation abfinden. Manche psychischen Krankheiten gelten in Kliniken immer noch als unheilbar. Wenn wir von einem Arzt die Wörter "unheilbar krank" hören, dann hat das eine enorme Wirkung auf uns und unser Verhalten.

Viele Menschen identifizieren sich mit dem, was über sie gesagt wird und stecken fest. Aussagen wie: „Ich kann das nicht, weil ich depressiv bin“ oder„Ich habe eine Sozialphobie, kannst du mal für mich einkaufen gehen?“, sind keine Seltenheit. Die Diagnose hat die Kontrolle über ihr Leben genommen und wird irgendwann zur Identität.



ADHS, eine Erfindung unserer Leistungsgesellschaft?


Ein weiteres extremes Beispiel der Geschichte ist, wie aus dem Zappelphilipp unsere heutigen ADHS- Kinder wurden. Damals wurde der Zappelphilipp von der Gesellschaft getragen und heute werden diese Kinder mit sehr starken Medikamenten behandelt. Laut Spiegel seien die Verschreibungen von Ritalin von 34 Kilogramm im Jahre 1993, auf 1760 Kilogramm im Jahr 2011 angestiegen.

Da fragt man sich:

Hat das Kind das Problem oder ist es die Diagnose, die es zum Problemkind gemacht hat?

Ich denke die Antwort liegt auf der Hand. Kinder mit einem etwas erhöhten Bewegungsdrang und Verhaltensauffälligkeiten werden in unserer Gesellschaft mit harten Medikamenten dem System angepasst, anders kann man es leider nicht ausdrücken. Die Pharmaindustrie verdient sich eine goldene Nase und auf die Idee unser Unterrichtssystem bundesweit bewegungsreicher, eben kindgerechter zu gestalten, warten wir wohl weiter noch.

Ich denke dem Zappelphilipp ging es damals besser als heute dem ADHS- Kind.

Kritiker unterstellen sogar, ADHS wäre eine erfundene Krankheit.

Kurz vor seinem Tod gestand Leon Eisenberg -gilt als „Erfinder“ des ADHS - dem Medizinjournalisten Jörg Blech, daß ADHS ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung sei.


Fazit

Eines kann man heute sagen. Diagnosen haben eine starke Wirkung auf uns und unseren Veränderungswillen. Haben wir sie erstmal, kleben sie an uns und viele Menschen schaffen es nicht ihr zu entkommen. Ihnen fällt es schwer zu glauben, dass sie eben ein Mensch sind, der dies oder jenes erlebt hat und deswegen ein bestimmtes Verhalten entwickelt hat. Denn jedes Verhalten hat eine Ursache, findet man sie, kann man das Verhalten nachvollziehen. Da ist nichts krank. Das ist eine ganz gesunde Psyche, die auf ein bestimmte Erlebnis, eben jetzt so reagiert. Das Verhalten mag für den einen oder anderen nicht der Norm entsprechen, aber mit Krank hat das aus meiner Sicht wirklich nichts zu tun.

Nehmen wir mal einen Menschen, der von einem Hund gebissen wurde, wäre jetzt Psyche krank, wenn er auf Hunde ängstlicher reagiert als andere?

Oder würde ihn seine Psyche zurecht warnen, damit so was nicht nochmal passiert?

Ich persönlich finde daran weder was Krank noch Gesund , es ist eine nachvollziehbare Verhaltensweise nach so einem Erlebnis.

Ich kann euch nur dafür sensibilisieren, nehmt die Diagnosen nicht so ernst, sie sagen wirklich wenig bis gar nichts über euch aus. Sie sind im besten Fall Hypothesen, die der Arzt stellen muss, um mit den Krankenkassen abrechnen zu können.

Ihr seid, wir ihr seid und das aus einem guten Grund. Wenn ihr was verändern wollt, verändert es, und wenn das manchmal nicht gleich gelingt, kann das frustrierend sein. Aber lasst euch sagen, eine Diagnose wird euch dabei ganz sicher nicht helfen.

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