Wo Krieg ist, ist auch Frieden, wie uns die Kampfkunst den Frieden lehrt.

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Kampfkunst, Budo

Aikidō, Karate – do, Judo, Kendō sind nur einige wenige Arten japanischer Kampfkünste, die alle unter dem Namen Budō zusammengefasst werden können. Genau genommen ist die Übersetzung Kampfkunst nicht gänzlich zutreffend, vielmehr müsste es als „der Weg, um den Kampf zu beenden“ übersetzt werden.

Doch Kampfsport oder Kampfkunst wird in der modernen Medienlandschaft oftmals sehr einseitig dargestellt. Häufig wird uns das Bild von durchtrainierten Männern mit einem hohen Aggressionspotenzial vermittelt, die sich durch die Welt Prügeln und somit für ihre Werte einstehen.

Ursprünglich wurden diese Techniken entwickelt um sich gegen Angreifer zur Wehr setzen zu können. Zu Beginn wurden Kampfkünste ausschließlich vom Meister zum Schüler weitergegeben, erst im Laufe des letzten Jahrhunderts wurde sie vermehrt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute betreiben einige Millionen Menschen Kampfsport, doch ihr Image hat sich nicht sonderlich verändert.

Kampfkunst ist jedoch mehr als Kämpfen, sie lehrt uns auch den Frieden.

Den Frieden in der Kampfkunst zu suchen ist für mich persönlich ein sehr entscheidender Weg. In diesem Artikel möchte ich mich zuerst theoretisch der Polarität von Krieg und Frieden nähern und abschließend eine kurzes Interview mit einem sehr erfahrenen und seit Jahrzehnte praktizierenden Budō Taijutsu Trainer aus Hannover führen. Vielleicht gelingt es mir auf diese Art, bestehende Meinungen über Kampfsport zu verändern oder vielleicht auch zu bestätigen und die Kampfkunst auch als einen Weg der persönlichen Entwicklung und Harmonie zu betrachten, die letztendlich in den Frieden führt.

Warum der Frieden im Krieg zu finden ist

Um sich dem äußeren oder inneren Frieden zu nähern, gibt es keinen anderen Weg als uns auch mit der Polarität zu beschäftigen. Wenn wir uns nach Frieden sehnen, müssen wir zuerst den Krieg betrachten.

Denn ohne Krieg, gibt es keinen Frieden. Das Wort Frieden würde ohne Krieg gar nicht existieren. So können wir uns nur nach Frieden sehnen, wenn wir uns gerade im Krieg befinden. Es ist eine Illusion zu glauben, dass wenn wir uns in angeblichen Friedenszeiten befinden, es zu dieser Zeit keinen Krieg gibt. Krieg und Frieden gehören zusammen, sie erscheinen nur jeweils in einem anderen Gewand und unser Bewusstsein kann sie nur getrennt wahrnehmen.

Doch wo viel Krieg ist, muss auch Frieden sein.

So ist zu Kriegszeiten ein enormer Anstieg an Solidarität zu beobachten. Selbst ein Blick auf die Suizidrate macht deutlich, dass in Zeiten des Krieges fast keine Suizide stattfinden und nach Beendigung der Kriege wahre suizidale Epidemien ausbrechen, so wie es beispielsweise nach dem zweiten Weltkrieg der Fall war.

Es ist eine Illusion, an den ewigen Frieden zu glauben und auf der anderen Seite den Krieg zu verdammen, denn wer den Krieg verdammt, wird den Frieden nicht finden. Dies gilt sowohl für unser Inneres, also unsere Psyche, als auch für unsere Umwelt.

Frieden beginnt im Inneren

Ein Mensch, der nach Frieden strebt und den Konflikt vermeidet, konfrontiert seine Umwelt nicht mit seinen eigenen Bedürfnissen und das nur des Friedens im Außen zu liebe. So erzeugt er zwar vorerst Frieden im Außen, jedoch erzeugt er gleichzeitig einen Konflikt im Inneren. Das führt dann langfristig in eine Krise. Genau dieses Phänomen beobachte ich seit Jahren in meinen Coachings.

Wenn wir uns jedoch in unserem Inneren mehr Frieden und Harmonie erarbeiten, dann wird sich das zwangsläufig auch im Äußeren manifestieren. Niemand kann wirklich glauben, dass die Menschen, die derzeit Kriege führen, in einer inneren Harmonie leben.

Wie könnten sie Kriege führen wenn es so wäre?

Die meisten dieser Menschen, wollen ihre eigenen Schattenseiten nicht sehen und sie schon gar nicht als Teil Ihrer selbst akzeptieren. Genau diese Schatten, die im Inneren nicht gesehen werden wollen, sind es dann, die sich im Außen in Form von Kriegen oder Terrorangriffen zeigen.

Frieden beginnt im Inneren, mit der Verarbeitung unseres inneren „Krieges“ und was eignet sich dazu besser als Kampfkunst? Sie lehrt uns ein Krieger zu werden und gleichzeitig Frieden zu schaffen. Sie versucht die Pole zusammen zu führen, so dass sie gleichzeitig erlebbar werden. Kampfkunst ist für mich ein Beispiel der Synergie. Sie ist viel mehr als die Summe ihrer Teile.

Über den Kampf lehrt sie uns die wahre Harmonie, die zu einem wertschätzenden Miteinander führen kann, in der das Anderssein als Bereicherung wahrgenommen wird, von der wir alle lernen können. Das Anderssein wird zum Geschenk und nicht länger als Bedrohung betrachtet. Bis sich die Pole von Krieg und Frieden auflösen und nicht länger existieren, so wie es bei manchen Völkern der Erde bereits der Fall ist. Völker, die keine Wörter für Krieg oder Frieden haben, weil sie niemals Kriege geführt haben und somit auch nie in „Frieden“ gelebt haben.

Um euch einen Eindruck vom Budō zu geben und was Budō alles ist oder eben nicht ist, möchte ich ein schönes Gedicht, das ich gefunden habe, mit euch teilen:

Budō – und nichts weiter

Wenn Du Budō übst, übe Budō – und nichts weiter.

Wenn Du stark werden willst, hebe Gewichte.

Wenn Du reich werden willst, spiele Lotto.

Wenn Du Dich wehren willst, kauf eine Pistole.


Aber denk nicht es wäre Budō.

Wenn Du andere beschützen willst, werde Bodyguard.

Wenn Du spielen willst, geh zum Fußball.

Wenn Du Aufmerksamkeit willst, geh zum Theater.

Wenn Du Unterhaltung willst, mach den Fernseher an.

Aber denk nicht es wäre Budō.

Wenn Du Leute kennenlernen willst, gehe aus.

Wenn Du Dich austesten willst, gehe in die Berge.

Wenn Du in den Krieg ziehen willst, werde Soldat.

Wenn Du Dich von Angst befreien willst, geh zur Therapie.

Aber denk nicht es wäre Budō.

Wenn Du Dich bewundern lassen willst, gründe eine Band.

Wenn Du feiern willst, gehe Tanzen.

Wenn Du träumen willst, leg Dich an den Strand.

Wenn Du gefährlich sein willst, werde kriminell.

Aber denk nicht es wäre Budō.

Wenn Du spirituell sein willst, geh in die Kirche.

Wenn Du Frieden stiften willst, geh zur Heilsarmee.

Wenn Du die Gesellschaft verändern willst, gründe eine Partei.

Wenn Du einen schwarzen Gurt haben willst, kauf Dir einen.

Aber denk nicht es wäre Budō.

Wenn Du Budō übst, übe Budō – und nichts weiter.

Dann ist es Budō

Hayong Yun
                

Im Folgenden möchte ich euch das Interview mit Hayong Yun wiedergegeben. Er ist Autor, Yogalehrer und Inhaber einer Kampfkunstschule in Hannover, die Budō Taijutsu lehrt. Er praktiziert seit Jahrzehnten Kampfkunst und Sport und steht in einem engen Bezug zu den japanischen Traditionen.

Interview

Wie bist du zum Budō Taijutsu gekommen und warum bist du ausgerechnet bei dieser Kampfkunst geblieben ?

Schon als Kind verliebte ich mich in die Kampfkünste. Budō Taijutsu kam nach langer Suche zu mir und wurde meine Heimat. Es war die Balance zwischen einer umfassenden körperlichen und geistigen Schulung, die meiner Sehnsucht einen Sinn verliehen hat.

In den Medien und Filmen bekommen wir ja ein ziemlich einseitiges Bild von Kampfsport und Kunst serviert. Für sensible Menschen scheint das ja nicht der richtige Weg zu sein. Oder ist die Darstellung der Medien da zu einseitig und ist es durchaus auch etwas für sensible Menschen oder auch Frauen ?

Budō, oder meist auch mit Kampfkunst übersetzt, ist der Lebensweg, den Kampf zu beenden oder einfacher zu siegen ohne zu kämpfen. Das chinesische Schriftzeichen Bu zeigt als Piktogramm eine Hand, die einen Speer aufhält, Do ist eine Geistesschulung, um die Fülle des Lebens leben zu lernen. In den Medien wird Budō selten dargestellt. Budō ist eher still und schüchtern. Zu große Aufmerksamkeit zu erregen ist eher gegen seine Natur. Empathie und Disziplin sind zwei wesentliche Aspekte, die durch Kampfkunst entwickelt werden. Ein Budoka ohne Herz ist wie ein Fisch ohne Flossen.

Was unterscheidet Budō Taijutsu von anderen Kampfkünsten?

Überall wo die Entwicklung der Herz-Qualität, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und das beenden des inneren Kampfes im Mittelpunkt steht, kann Budō genannt werden. Dies ist eher abhängig vom Lehrer als von der Kampfkunst.

Hat Budō Taijutsu ein gewisse Haltung zum Leben ?

Ja, Akzeptieren und Konfrontieren.

In meinem Beitrag über das Fernwandern schrieb ich über die Entwicklung der vier Ebenen der Menschlichen Natur, in wie fern trainiert Budō Taijutsu diese Ebenen ?

Das Wundervolle am Budō Taijutsu ist, dass es stets den Körper als Ausgangspunkt nimmt. Durch die enge Verbindung von Körper und Geist werden Konflikte auf der äußeren Ebene gelöst und damit auch auf der inneren. Dadurch verzahnt es Körper, Geist, Soziales und Spirituelles. Eine Essenz davon ist die Verwirklichung der Gelassenheit, die durch ein bewusstes Loslassen von körperlichen und mentalen Blockaden geschieht.

Achtest du in deinem Training, dass alle Ebenen gleichermaßen trainiert werden ?

Ja, alle Ebenen sind wichtig, um den Weg zur Transformation zu ebnen.

Was sind deines Erachtens nach die größten persönlichen Hindernisse deiner Schüler, wenn sie diese Kampfkunst erlernen wollen?

Das größte Hindernis ist die blockierte Wahrnehmung für den Körper und das Ego. Ein weiteres ist die mangelnde Hingabe, sich auch über einen längeren Zeitraum Unangenehmen zu stellen und auszuhalten. Das ist mit Sicherheit eine besondere Chance, um eine ausgewogene Resistenz gegen störenden Einflüsse zu etablieren.

Welche Haltung hat eine Kampfkunst wie Budō Taijutsu zu Konflikten und Kriegen?

​Hier möchte ich gern unseren Großmeister Hatsumi Sensei zitieren: „Budō ist ein Weg zum Frieden“. 

Welche Aussage des Großmeisters Hatsumi hat dich in deinem Leben am meisten geprägt?

„Wenn du trainierst, wirst du schwitzen. Du wirst weinen und lachen. Am Ende wird die Antwort einfach da sein.“; Budō ist ein Weg der Achtsamkeit, die durch das Training entdeckt werden kann. Als Budoka wirst du ein Pionier des Lebens und entdeckst, dass in der Gegenwart unser wahres Herz verborgen liegt.

Wie ist aus einer ehemaligen Kriegskunst eine doch so friedliche ganzheitliche Haltung entstanden?

Ich denke, dass es eher anders herum ist. Die Kriegskunst als geistiger Weg hat eine Jahrtausend alte Tradition, die den indisch spirituellen Wurzeln entspringt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese zeitlosen Werte nicht selten von anderen Interessen überschwemmt. In den letzten Jahrzehnten ist es jedoch zu einer Renaissance des Budō gekommen. Die inneren Werte der Kampfkunst werden inzwischen weltweit gelehrt. Man kann sagen, dass es eine kraftvolle internationale Bewegung geworden ist.

Woran erkennt man, wenn man Interesse hat am Budō Taijutsu, dass man an einem seriösen Trainer geraten ist.

Schau genau hin, und höre auf dein Herz. Lass dich nicht von Versprechungen einlullen.

Dürfen meine Leser dich kontaktieren, wenn sie fragen zu diesem Thema haben ?

Gern.

Wenn du dich genauer Informieren möchtest dann  hast unter der folgenden Seite die Möglichkeit dazu: Eiryu.de

Kontakt zu Hayong Yun kannst du hier aufnehmen: Kontakt

Budō ist für mich eine Art der Persönlichkeitsentwicklung, die sich über den Kampf nähert und so in die Harmonie führt. Der Weg dorthin bedarf Kontinuität und Achtsamkeit. Doch es ist ein Weg der die Polarität mit einbezieht und somit vom zwei Alternativen Denken zur einer dritten Alternative führt. Die dritte Alternative lehrt uns gegen Menschen zu verteidigen, die ihren inneren Krieg nach außen tragen. Doch sie nutzt diese Verteidigung, um den Kampf zu beenden und dann in Wahrheit den Frieden zu lehren.

Ich hoffe, dass ich einigen unter euch einen neuen Blick auf Kampfkünste präsentieren konnte und bei dem Einen oder Anderen vielleicht auch Interesse an Kampfkunst geweckt habe.

Sei Anders

Marcus

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